Handbuch der Malediven
Tentakel der Blasenanemone Entacmaea quadricolor
Familie der Seeanemonen - Actinaniidae |
Anemonen sind, wie alle Mitglieder der Klasse der Blumentiere, den Anthozoa, ausschließlich Meeresbewohner. Es sind Tiere ohne Sinnesorgane. Diese werden durch Nervenbahnen ersetzt, die auf Umweltreize wie Berührungen reagieren können. Sie sind in den zwei Zellschichten eingebettet, aus denen die Anemonen bestehen. Die Äußere nennt sich Ektoderm und die in ihr eingebetteten Längsmuskeln können das Tier verkürzen. Die innere Schicht nennt sich Entoderm und kann eine Ringmuskulatur enthalten. Sie ist zuständig für Atmung, Verdauung und Fortpflanzung.
Der Zwischenraum zwischen beiden ist mit einer gallertartigen Masse, dem Mesogloea, ausgefüllt. Diese beiden Schichten bilden einen Schlauch dessen Innenraum durch senkrechte Wände, Mesenterien genannt, unterteilt ist. Sie sind keilförmig angeordnet und haben in der Mitte das Mundrohr. Dieses Rohr enthält hunderte von kleinen Wimpern in Rinnen, die einmal für die Zufuhr von frischem Atemwasser und Nahrung und ein anderes Mal für den Abtransport des verbrauchten Wassers sorgen.
Die Körper sind also meist zylinderförmig und enden in einem Fuß, der am Untergrund festgewachsen ist. Der Fuß kann scheiben- oder balsenförmig sein und mit großer Kraft haften, teils durch Erzeugen eines Unterdruckes, teils durch anwachsen. Einige Arten graben sich im Sand ein und wachsen dort an festen Gegenständen fest. Bei Gefahr können sie sich komplett in den Untergrund zurückziehen. Der äußere Mantel des Körpers nennt sich Mauerblatt. Es kann glatt oder mit in Reihen angeordneten Warzen oder blasenartigen Erhebungen überzogen sein. Bei vielen Arten liegt dieses Mauerblatt flach auf dem Boden auf und ist nur selten zu sehen. Die Oberseite ist die runde, manchmal wellenförmige Mundscheibe mit den in konzentrisch Kreisen angeordneten Tentakeln. Die Tentakel sind fast immer wie Finger spitz zulaufend, oft vor dem Ende mit Blasen verdickt, selten verzweigt. Die Tentakel sind „bewaffnet“. Sie enthalten die kleinen aber wirkungsvollen Pfeile mit den borstenählichen Widerhaken und den Nesselzellen, die die Haut der Feinde durchdringen und über einen Schlauch mehr oder weniger starkes Gift einbringen und dem Stamm der Nesseltiere zu ihrem Namen verholfen haben.
Anemonen pflanzen sich auf geschlechtlichem Wege fort. Entweder entlassen sie Spermien und Eier in freie Wassen oder es erfolgt eine innere Befruchtung und erst die fertigen Larven werden ins Freie entlassen. Aber auch ungeschlechtliche Teilung kommt, bei weitem seltener, vor. Die dabei entstehenden Klone bilden dann richtige Anemonenfelder. Eine interessante Frage ist, wie alt Anemonen werden. Obwohl eine genaue Altersbestimmung noch nicht möglich ist, lassen Untersuchungen an Kaltwasseranemonen auf ein Alter von 300 Jahre schließen und von den großen Wirtsanemonen hier auf den Malediven kann mindestens auf das Alter von Menschen geschlossen werden.
Zu beachten bei der Altersbestimmung ist, dass eine kleine Anemone nicht unbedingt jung sein muß. Ihr Wachstum hängt in starkem Maße von den Umweltbedingungen ab. Anemonen schrumpfen regelrecht, wenn sie nicht ausreichend mit Futter versorgt werden. Große Anemonen sind gut mit Nesselgiften ausgestattet und haben alleine dadurch einen guten Schutz vor Freßfeinden, was einige Falterfischarten allerdings nicht davon abhält, sich an ihnen gütlich zu tun.
Derzeit geht es den Anemonen und den Anemonenfischen sehr schlecht: Sie sind am Aussterben oder schon ausgestorben. Sie konnten die hohen Temperaturen im Frühjahr 1998 nicht standhalten. Waren 1999 an einem ca. 1 km langem Riffabschnitt im Südnilandu - Atoll noch ganze 2 Prachtanemonen zu finden, gab es an 2 km Außenriff auf Kuredu im Februar 2000 nicht eine einzige Anemone oder Anemonenfisch mehr zu sehen und zwar dort, wo es im Februar 1998 mindesten eine Anemone pro 10 qm ihre Tentakel in der Stömung wiegte.
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Deutsch
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Latein
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Englisch
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| Reich | Hohltiere | Radiata | Radiata |
| Stamm | Nesseltiere | Cnidaria | |
| Klasse | Blumentiere | Anthozoa | |
| Unterklasse | Sechsstrahlige Korallen | Hexacorallia | |
| Ordnung | Seeanemonen | Actinaria | Sea anemonnes |
| Familie | Seeanemonen | Actiniidae | Sea anemonnes |
| Gattung | Entacmaea | ||
| Art | Blasenanemone | Entacmaea quadricolor | Bubble-tentakel sea anemonnes |
| Familie | Anemonen | Stichodactylidae | Adhesive sea anemonnes |
| Gattung | Cyrptodendrum | Sea anemonnes | |
| Art | Noppenrandanemone | Cyrptodendrum adhaesivum | sea anemonnes |
| Gattung | Heteractis | ||
| Art | Auroraanemone | Heteractis aurora | Sea anemonnes |
| Art | Lederanemone | Heteractis crispa | Leather sea anemonnes |
| Art | Prachtanemone | Heteractis magnifica | sea anemonnes |
| Gattung | Macrodactyla | ||
| Art | Korkenzieheranemone | Macrodactyla doreensis | sea anemonnes |
| Gattung | Stichodactyla | sea anemonnes | |
| Art | Riesenanemone | Stichodactyla gigantea | Gigant sea anemonnes |
| Art | Teppichanemone | Stichodactyla haddoni | Haddon´s sea anemonnes |
| Art | Mertensanemone | Stichodactyla mertensii | Merten´s sea anemonnes |
| Familie | Thalassianthidae | sea anemonnes | |
| Gattung | Thalassianthus | sea anemonnes | |
| Art | Seeaster | Thalassianthus aster | sea anemonnes |
E: Bubble-tentakle sea anemonnes
Durchmesser: ca. 30 cm, Tiefe: 2 m Ari Beach, Ari - Atoll, 1992
An den Spitzen oder kurz vor den Spitzen der bis zu 10 cm lang werdenden Tentakel sind blasenartige braune Kugeln zu finden. Diese nicht sehr häufige Anemonenart ist gut daran zu erkennen. Vom Riffdach bis zu ca. 20 m Tiefe wachst sie. Ihre Fußscheibe sitzt in Spalten, in die sie sich bei Gefahr zurückzieht. Oft ragen nur einige wenige Tentakel aus der Spalte heraus.
Die Farbe der Tentakel kann von blaßbraun über dunkelbraun bis gelbgrün oder sogar leuchtend gelb reichen. Im flachen Riffteil erreichen die Mundscheiben nur einen Durchmesser von 5 cm. Sie stehen dann dicht zusammen und bilden so Felder. Weiter unten können sie bis ca. 40 cm Durchmesser erreichen. Diese Anemone muß bei den Anemonenfischen sehr beliebt sein, denn 11 der 25 verschiedenen Arten leben mit ihnen zusammen. Auf den Bild ist es der Anemonenfische der Art Amphiprion clarkii, Clarks - Anemonenfische.
Schlechter zu sehen sind kleine Krabben, die zwischen den nesselnden Tentakel Schutz suchen. Es ist die Partner - Garnele Periclimenes longicarpus. Warum einige Anemonen dieser Art keine Bläschen ausbilden, ist nicht genau erforscht, könnte aber mit der Anwesenheit (Blasen) und der Abwesenheit (keine Blasen) zu tun haben.
Keine andere Anemonenart ist öfter beschrieben und mit immer wieder anderen Namen belegt worden wie diese hier. Aus der Zeit zwischen 1828 und 1911 sind es sage und schreibe 15 Synonyme!
Vorkommen: Ostafrika, Rotes Meer, Arabische See, in Teilen des nördlichen Indischen Ozeans bis Microneseien und Melanesien, von Japan bis Australien.
E: Adhesive sea anemones
Durchmesser: ca. 20 cm, Tiefe: 2 m Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1994
Diese Anemone sieht aus wie eine krustenförmig wachsende Koralle. Sie ist relativ selten und lebt ausschließlich mit der Anenonenfischart Amphiprion clarkii zusammen. Ihre Tentakel sind nur ca. 5mm lang. Die Anemone hat zwei verschiedene Tentakelarten. In der Mitte der Mundscheibe sitzen die Tentakel auf einem Stiel, der sich fingerförmig in fünf oder mehr Tentakelspitzen mit ungefähr 1mm dicken Bläschen auffächert. Am Rand der Mundscheibe sind die Tentakel kaum verzweigt und meist andersfarbig. Diese Art ist recht farbenfroh. Ist die Mitte grün, kann der Rand rosa sein. Auch die Farben Gelb und Braun, Blau und Grau, Grün und Braun kommen vor.
Die Tentakel sind so kurz, daß sich selbst der kleine Fisch kaum darin verstecken kann. Diese Koralle nesselt ziemlich stark wie ich durch Selbstversuch verläßlich feststellen konnte. Die Mundscheiben erreichen einen Durchmesser von rund 30 cm. Die Anemone sitzt mit ihrem Fuß in meist in einer Spalte versteckt. Wird sie zu sehr geärgert, zieht sie sich total in ihre Versteck zurück und mit ihr verschwindet der Anemonenfisch, regelrecht wie von einem Mantel eingewickelt. Die Noppenrandanemonen haben aber auch noch andere Bewohne. Kleine Krebse, die Anemonen-Porzelankrebse der Art Neopetrolistes maculatus leben auf ihr und das Nesselgift macht ihnen genauso wenig aus, wie den Anemonenfische.
Vorkommen: Rotes Meer, der Küste von Somalia, Malediven, Südindien, Sri Lanka, Thailand, Indonesien, Philippinen, bis Polynesien, Mirkornesien und Melanesien.
E: sea anemones
Durchmesser: ca. 20 cm, Tiefe: 1 m Vilamendhoo, Ari - Atoll, 1997
Die Aurora- oder auch, sehr anschaulich, Glasperlenanemone hat bis zu 5 cm lange aber dicke Tentakel die an den Ende zwar keine Blasen haben, dafür aber quer eingeschnürte, wie aufgeblasen wirkende Abschnitte aufweisen die wie kleine Perlenketten aussehen.
Sie hat ausgewachsen einen Scheibendurchmesser von max. 25-30 cm und ist ziemlich selten zu finden obwohl sie kaum tiefer als 10 m vorkommen.
Die Tentakel und die Mundscheiben sind gleichfarben grünlich, purpur oder bräunlich. Die Anemone siedelt auf Sedimenten zwischen abgestorbenen Korallen und kann sich ganz in den Untergrund zurückziehen.
Sieben Anemonenfischarten leben mit diesem, wie eine Pflanze anmutendem Tier zusammen.
Vorkommen: Nördlich und südlich vom Äquator von der ostafrikanischen Küste einschließlich dem Roten Meer und dem Persischen Golf bis Mikronesien und Melanesien und der nordaustralischen Küste.
Durchmesser: ca. 20 cm, Tiefe: 1 m ---Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1996
E: Leather sea anemones
Durchmesser: ca. 25 cm, Tiefe: 1 m Ari - Beach, Ari - Atoll, 1992
Lederanemonen sind nur wenige pro Riffabschnitt zu finden. Dafür kommen sie in den unterschiedlichsten Farben vor. Am häufigsten sind auf den Malediven noch die violetten und blauen Arten (siehe nächste Seite) zu finden. Die beigefarbene Anemone auf dieser Seite ist hier seltener. Die Tentakel sind, oft kaum sichtbar, quergestreift und verjüngen sich gleichmäßig zur Spitze hin. Sie werden bis zu 10 cm lang. Deutlich sind auf ihnen warzenartige Vorsprünge, sogenannte Verrucae, zu erkennen. Diese Verrucae fühlen sich klebrig an und haften gut auf jedem Untergrund. Pro Tier sind schon bis zu 800 Tentakel gezählt worden.
Diese Anemonen suchen sich Ritzen oder Spalten wo sie sich mit ihren Fußscheiben, die einen Durchmesser zwischen 20 oder, seltener, 50 cm erreichen, verstecken. In Sedimenten sind die Körper eingegraben und der Rand der Mundscheibe liegt dann auf dem Boden auf. 11 verschiedene Arten von Anemonenfischen vergesellschaften sich mit dieser Anemone. Zwei Arten sind schon auf beiden Bildern zusehen.
Nach eigenen Beobachtungen wächst die Lederanemone an relativ tiefen Standorten so um die 10 m-Grenze. Sie siedelt auf Sand- oder Schlickböden. Während andere Anemonenarten sich bei Störungen oder Gefahr in ihren Mantel einrollen, verschwindet die Lederanemone blitzschnell im Untergrund. Beim Schnorcheln ist die Art nur selten zu finden. Zum Einen lebt sie ziemlich tief und zum Anderen gibt es an den Riffen in diesen Tiefen hier nicht grade viel Sandflächen und schon gar keinen Schlickboden.
Vorkommen: Indischer Ozean einschließlich Rotes Meer, von Mauritius bis Australien und Japan, bis Melanesien, Micronesien und Polynesien.
Durchmesser: ca. 30 cm, Tiefe: 1 m --------------------------------------Ari-Beach, Ari - Atoll, 1992
Hier die violette Variante. Diese prachtvoll gefärbte Art findet man wohl nur an den Riffen der Malediven. An einer Sandbank in der Mitte des Süd-Male-Atolls, in etwa auf der Linie zwischen der mit einem langen Steg verbundenen Inseln Dhigufinolhu/Veligandu Huraa und der Insel Ranalli am westlichen Außenriff, fotografierte ich diese Lederanemone.
Findet man Anemonen dieser Art ohne einen Anemonenfisch, sind die Tentakel bis um die Hälfte kürzer. Traut sie sich ohne Bewachung nicht, ihre Tentakel so weit in das Wasser hinauszustrecken? Wenn diese Beobachtung stimmt, kann sie als ein weiterer Beweis dafür gewertet werden, dass die Anemone auch Vorteile aus der Symbiose mit den Anemonenfischen hat. Ihre normalerweise 10 bis 15 cm langen Tentakel reichen dann weiter ins Wasser und fischen so einen viel größeren Bereich ab.
E: sea anemones
Durchmesser: ca. 20 cm, Tiefe: 1 m Vilamendhoo, Ari - Atoll, 1997
Die Prachtanemone braucht man auf den Malediven nicht zu suchen. Es gibt sie überall und mit ihr den bekannte Malediven - Anemonenfisch. Sie besetzt exponierte Stellen im Riff und ist mit den Korallenblöcken, auf den sie meistens siedelt, fest verwachsen.
Es ist die häufigste Anemonenart in diesen Gewässern. Die Farbenvielfalt der Mäntel ist erstaunlich. Die Bilder neben an zeigen einige Bespiele der Färbung des Mauerblattes.
Ist die Mundscheibe entfaltet, kann sie einen Durchmesser von bis zu einem Meter haben. Meist sind es aber nur 30 bis 50 cm. Wird die Anemone gestört, zieht sie sich zu einer runden Kugel zusammen und die Farbe des Mantels kommt voll zur Geltung. Ihre Fischsymbionten lassen sich mit einschließen. 12 verschiedene Anemonenfische und einige Garnelen leben mit der Prachtanemone zusammen.
Die Tentakel und die Oberseite der Mundscheibe sind bräunlich gefärbt. Sie stehen dicht beieinander, sind fingerförmig und werden 7 oder 8 cm lang. Sie verjüngen sich etwas zu den stumpfen, leicht angeschwollenen Enden hin und sie nesseln recht unangenehm.
Oft wachsen kleinere Prachtanemonen mit gleicher Färbung hier auf den Malediven in großen Felder bis zu einhundert Tieren. Man nimmt an, daß es sich dann um Klone handelt, die durch ungeschlechtliche Teilung entstehen.
Vorkommen: Indischer Ozean einschließlich Rote Meer, Australien, Polynesien bis Samoa.
E: Gigant sea anemones
Durchmesser: ca. 50 cm, Tiefe: 7 m Dhigufinolhu, Süd - Male - Atoll, 1990
Sie ist ähnlich groß wie Mertens-Anemone, hat aber längere Tentakel. Diese sind am Rand etwa 2 und zur Mitte hin bis 5 cm lang. Das Zentrum der bis zu 50 cm großen Mundscheibe ist ohne Tentakelbesatz, was aber wegen der starken Faltung oft nicht zu sehen ist. Sie überwuchert ihre Umgebung förmlich, überzieht den Untergrund wie ein Teppich. Lebende Korallen scheinen sie abwehren zu können. Diese würden auch glatt verhungern. So sucht sich diese Art abgestorbene Korallenblöcke, Korallengries oder Sandböden zum Entfalten. Dort ist die Fußscheibe tief eingegraben und fest verankert. Die Tentakel sollte man tunlichst nicht berühren. Erstens nesseln sie stark und zweitens ist die Haftung der Tentakel so groß, daß sie nicht nur büschelweise ausreißen sondern auch noch ein Stück vom Mantel mit herausgerissen wird.
Sie lebt mit sechs oder sieben Anemonenfischarten zusammen. Hier auf den Malediven ist sie immer nur mit dem Clarks-Anemonenfisch gesehen. Die beste Unterscheidung zur Mertens-Anemone ist, wie auf dem Bild oben gut zu erkennen, die stark gefaltete Mundscheibe. Mundscheibe und Tentakel kommen in gelbbrauner und in violetter Färbung vor, es soll sie aber auch in Blau, Rosa und in hellem Grün geben.
Vorkommen: Rotes Meer und Indischer Ozean um die Malediven, der Südspitze Indiens und Sri Lanka bis Australien und südlich es Japan.
E: Haddons sea anemones
Durchmesser: ca. 30 cm, Tiefe: 3 m Kuramathi, Rasdu - Atoll, 1988
Die Teppich- oder auch Haddons-Anemone ist in dem beschriebenen Bereich selten. Dabei ist sie gut an den oft weiß gestreiften Rändern der meist nur 40 cm groß werdenden Mundscheibe zu erkennen. Es wird aber auch von doppelt so großen Exemplaren berichtet. Sie ist eng mit der Riesenanemone verwandt und unterscheidet sich außer den weißen Streifen auch durch die Färbung auf der Unterseite, der die in Reihen angeordneten orangenen Warzen der Riesenanemone fehlen.
Die Mundscheibe und der untere Teil der Tentakel sind gelbbraun, während die Tentakelspitzen grünlich oder blaßgelb sein können. Die Tentakel nesseln nur schwach, haften aber so stark, daß sie ausgerissen werden. Die Farben wirken alle wie verwaschen und sind nie klar. Wie alle Anemonententakel lassen sich auch diese nur schwer mit Blitzlicht abbilden. Sie schlucken das Licht so sehr, daß die Farben nie mit der Wirklichkeit übereinstimmen.
Bei Störungen können diese Anemonen sich sehr schnell ruckartig in den Sand zurückziehen. Ihre Wirte, sechs verschiedene Anemonfischarten weltweit, bleiben dann ziemlich hilflos über der Sandkuhle zurück - eine unfeine Art seinen Gästen gegenüber. Die Verluste unter den plötzlich schutzlosen Fischen dürfte dementsprechend groß sein.
Vorkommen: Rotes Meer und ostafrikanische Küste bis Madagaskar, Indischer Ozean um die Malediven, der Südspitze Indiens und Sri Lanka bis Australien und Japan.
E: Merten´s sea anemones
Durchmesser: ca. 1m, Tiefe: 3 m Kuramathi, Rasdu - Atoll, 1988
Die Mertens Anemone ist auf den Malediven nach den Prachtanemonen die zweithäufigste Anemonenart. Sie erreicht einen Durchmesser von über einem Meter und lebt nach meinen Beobachtungen hier ausschließlich mit dem schwarz - weißen Anemonenfisch Amphiprion clarkii zusammen obwohl sich insgesamt 10 Anemonenfischarten mit dieser Anemone vergesellschaften. Eigenartigerweise nehmen die Fische, die mit ihr zusammenleben, alle eine schwarze Färbung an, die Melanismus genannt wird. Ihr gelber Farbanteil wird durch Schwarz überdeckt und sie sind bedeutend dunkler als die gleiche Art in anderen Anemonenarten. Fängt man sie und bringt sie mit anderen Anemonenarten zusammen, werden sie wieder heller. Wie kleine Noppen ragen die außen nur 2 und innen 5 cm langen, nicht nesselnden Tentakel aus der riesigen Scheibe heraus. Die Fische haben ganz schöne Schwierigkeiten, sich zwischen den kurzen Tentakeln zu verstecken aber das große Mundblatt liegt faltig über dem Untergrund, so daß Schluchten entstehen, in denen sie sich richtig hineinkuscheln können.
Die Mundscheibe der großen Anemone ist eher oval als rund. Das Zentrum der Scheibe hat nur einen Durchmesser von 2 bis 5 cm und ist tentakelfrei und fast nie zu sehen. Die Unterseite dieser Riesenaktine ist fast fleischfarben. In Reihen ziehen sich kleine orangefarbene Erhebungen wie Warzen zur Mitte der Scheibe hin. Der im Verhältnis zur großen Mundscheibe kleine Körper sitzt zum besseren halt in Spalten. Sind diese tief genug, kann sie sich bei Störungen ganz langsam darin zurück ziehen.
Vorkommen: Von Mauritius bis zu den Feil - Inseln. Nicht im Roten Meer.
E: sea anemones
Durchmesser: ca. 20 cm, Tiefe: 1 m Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1993
Der Durchmesser des Loches in dem die Anemone nach Berührung blitzschnell verschwand: ca. 8cm
Verblüffend: Da berühert man diese Anemon nur mal mit dem linken kleinen Finger - der muss immer herhalten - um zu prüfen ob sie nesselt, und sie verschwindet blitzschnell im Sand! Sie nesselt übrigens nur leicht. In den 75 Wochen an den Inseln und trotz Tag und Nacht im Wasser war sie nur ein einziges mal hier auf Erijadhoo 1993 zu finden. In den beiden Jahren danach war das Tier schon nicht mehr da. Die Stelle ist heute noch ein Begriff.
Wenig hilfreiches steht im Netz, nicht mal der Namen in Englisch ist auf Anhieb zu finden. Hier nur als Platzhalter der Text:
"Thalassianthidae with well developed pedal disc and rather small to medium-sized body. Column with verrucae in its upper part. Sphincter weak, restricted to circumscribed. The endocoelic tentacles (which are provided with accessory tentacles arranged in more or less distinct longitudinal rows) occupy partly the oral disc partly the oral sides of the cyclically arranged discal lobes. The aboral side of the lobes bear bunches of grape-like nematospheres. The marginal tentacles, not more than one per exocoel, are orally-aborally flattened, and their accessory tentacles are more irregularly arranged. Longitudinal muscles of tentacles and radial muscles of oral disc without tentacles. Mouth round. Several distinct siphonoglyphs not connected with directives. Numerous mesenteries, several perfect. No directives. No more mesenteries distally than proximally. Retractors well developed, diffuse, band-like. Parietobasilar muscles weak but forming a fold. Some of the perfect and the stronger imperfect mesenteries fertile. Cnidom: spirocysts, basitrichs, microbasic p-mastigophors"
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Invertebrata
Steinkorallen
Seeanemonen gibt es in allen Teilen der Weltmeere. Sie wachsen in 10.000 m Tiefe, in den sonnendurchfluteten Flachwasserzonen der Riffe, an den kalten Polen genauso, wie auf den Rücken von Krebsen oder sogar an treibenden Seetang. Es gibt über 1000 Arten, die mindestens mit dem dreifachen an Namen (Synonymen) belegt sind.
Synonym kommt aus dem Griechischen und bedeutet „vom gleichen Namen“, also doppelt benannt. Im Deutschen ist es genau so. Für Anemonen sind hier folgende Namen in Umlauf: Wirtsanemonen, Seeanemonen, Seerosen, Meeresanemonen oder Aktinen genannt. Dafür gibt es für die Arten kaum sinnvolle deutschen Namen. Die schönen großen Wirtsanemonen wurden 1981 von Dr. Daphne Dunn in „The Clownfish Sea Anemon“ (Transaction of the American Philosophical Society) neu klassifiziert und diese Namengebung wird hier genutzt.
Eigenartigerweise gibt es nur genau 10 Arten von Wirtsanemonen, die mit Anemonenfischen zusammenleben. Acht Arten von den Symbioseanemonen sind auf den Malediven zu finden und werden hier beschrieben. Wie bei den Anemonenfischen nachzulesen ist, sind es 28 verschiedene Riffbarscharten, die diese Symbiose mit den Anemonen eingehen, allerdings nur im tropischen Indopazifik. Zwar gibt es natürlich auch in der Karibik und im tropischen Atlantik Anemonen, aber diese werden aus unbekannten Gründen nicht von Fischen bewohnt.
Durchmesser: ca. 30 cm, Tiefe: 2 m Ari Beach, Ari - Atoll, 1992