Malediven - der Zentralfriedhof des Indischen Ozeans?
War das ein Paradies, damals, 1982 beim ersten Besuch der damals so ursprünglichen Insel! Der erste Gedanke war: Nie wieder wo anders hin im Urlaub!
Aber schon 1984/85 nahmen die Riffe Schaden auf dieser Insel. Das kleine Hausriff im Kanal vor der Bar war schon 1983/84 verschwunden und von Lederkorallen überwuchert, für mich die Totengräber eines Riffes – nichts ahnend, dass es noch viel schlimmer kommen sollte. Die 180 Arten Riffbewohner, die wir dort gezählt hatten, gab es nicht mehr.
Hatte die Insel 1982 nur ungefähr 40 Häuser, ist sie heute rundherum zugebaut. Da den neuen Touristen nicht mehr das Meer mit all den toten Korallen zuzumuten war, wurde 1998 ein Swimmingpool mit Wasserfall gebaut! Den Tennisplatz gibt es schon seit Anfang der Neunziger Jahre. Reist man deswegen auf ein Atoll mitten im Indischen Ozean? Verrückte, verkehrte Welt!
Leichtsinnig wurde mit der Umwelt auf den Malediven schon immer umgegangen. Früher fuhr kurz vor Sonnenuntergang das Müllboot ein Stück vor die Insel. Man kannte ja die Strömung und passte auf, dass der Dreck nicht an die eigenen Strände zurück kam. Mal wurde der Müll getrennt. Aber das Verbrennen der vielen Plastik führte zu braunen Pflanzen und Geruchsbelästigungen.
Kuramathi ca. 1989
Kuramathi 1998
Korallensterben, Seite 14
Angaa, Seite 16
Die beiden folgenden Bilder sind von ungefähr der gleichen Stelle aus aufgenommen. Auf dem ersten Bild war das Außenriff 1982 noch am Leben, bremste die stärksten Wellen wie in in Jahrhunderten vorher mühelos ab und hielt so den Sand am Ufer und damit die Insel intakt. Die Wurzeln der Ufervergetation, Scaevolabüsche meist, halfen dabei.
Über den Seegraswiesen waren viele Tiere zu finden. Skorpionsschnecken weideten das Gras ab und sämtliche Jungfische suchten hier im von der Sonne stark erwärmten flachen Wasser Schutz vor den Räubern. Junge Schwarzspitzen-Riffhaie sausten in riesige Schwärme silbriger Fische. Manche von denen sprangen vor Schreck ans Ufer. Muränen (Gymnothorax javanicus) waren dabei zu beobachten wie sie halb an Land krochen um sich die zappelnden Fische zu holen, etwas, was in den 25 Jahren nirgends mehr beobachtet werden konnte.
Kuramathi 1982
Ungeschädigte Riffe, herrliche Korallen, Schäden höchstens durch Ankerwurf
Kuramathi, am Außenriff, 1982
Kaum zu glauben, aber wahr: Das Bild oben und das hier ist ungefähr vom gleichen Standpunkt aus aufgenommen und führt den Wandel, den die Malediven und andere Teile der Weltmeere durchmachen, deutlich vor Augen. Auf allen Insel wurde und wird jetzt hemmungslos gebaut. Man braucht ja keine Rücksicht mehr auf irgendwelche dumme Natur, die einfach kaputt geht, Rücksicht zu nehmen.
Überall dort, wo es mal am schönsten war, in den Korallengärten und Seegraswiesen der flacheren Teile des Riffs, den so wichtigen "Kinderstuben", wurden nach 1998 die Wasserbungalows gebaut. Wie hier auf Kuramathi, auf Angaga, auf Kuredu...
Manche Inselchen, die so klein sind das nur das Restaurant rauf passt, haben nur diese Wasserhütten. Die lassen sich sowieso teurer vermieten, was die paar Reichen Familien um den despotischen Oberreichen, den Präsidenten, noch reicher machen. Sein Volk auf den entfernten Inseln darbt allerdings verdammt arm dahin.
Und wie sieht es unten am Riff aus?
Kuramathi 1982-1885
Das Bild entstand aus einem der lauten russischen Hubschrauber der "Hummingbird-Air", die wegen zu vieler Abstürze (von denen natürlich nichts in deutschen Zeitungen stand) verboten wurde und pleite ging. Der "Kolibri" musste auf Rasdoo landen. Das hatten sich die Inselbewohner ausbedungen um an dem Transport der Touristen über den 100 m breiten Kanal wenigstens etwas zu verdienen.
Auf dem Luftbild ist unter der Mitte rechts die kleine Untiefe zusehen wo das kleine Wrack, beschrieben auf der vorherigen Seite, liegt, besser: lag. Vorne in der Mitte der ehemalige, gut durchströmte Korallengarten.
Links, am Außenriff, hinter der Korallenmauer sind die Seegraswiesen hinter der Riffkante zu erkennen. Auch sie sind abgestorben. Auf dem Luftbild unten sieht man die Wasserbungalows.
Kuramathi, am Außenriff bei gewaltiger Strömung, Weihnachten 1998
Minuten später kamen im flaschengrünen Wasser Mantas von links, entgegen der mächtigen Strömung.
Im Winterhalbjahr ist das Wasser trübe.
Angenehm war: Es gab hier draußen keine Touristen. Irgendwie hatten die wohl Angst nass zu werden...
Hier bei dem Wetter zu schnorcheln erfordert einiges an Erfahrung. Das Problem ist ist nicht die Strömung, sondern schlicht: Wo komme ich bei dem Wellengang wieder raus? Dazu sollte der Strömungsverlauf und das Riff genau bekannt sein. Man muss immer wissen, wo man gerade ist.
Hinten, an der langen Sandbank, gibt es ein oder zwei Stellen, wo man auch bei dem Seegang über das tote Riff schlängel kann. Nächster Ausgang: irgendwo in Oman...
Chronik des Korallensterbens
Kuramathi 1983
Kuramathi 1984
Vermehrte Entnahme von Korallenmaterial für Hausbau
Absterben des kleine aber Artenreichen Hausriffes vor der Bar im Rasdukanal. Die Steinkorallen werden von Lederkorallen überwuchert. Wahrscheinliche Ursache: Schlechtere Wasserqualität in der Lagune.
Keine Tischkorallen mehr im Rasdukanal. Selbst gesehen: Eine "Profitaucherin" hat sind daran festhalten wollen weil sie in der Strömung Angst bekam...
Kuramathi, Rasdoo und Veligandu heute
Kuramathi 1985
Im flachen, stark durchströmten Korallengarten an der südöstlichen Spitze im Rasdukanal (in Richtung Außenriff) gibt es nur noch Korallentrümmer.
Immer mehr Wasserentnahme-, Rückführungs- und Abwasserleitungen werden quer über das Außenriff gelegt, proportional mit den größer werdenden Abwärme der Dieselgeneratoren und der wachsenden Zahl der Häuser.
Die Bar verbreitete Südseezauber, die Insel Urwaldromantik. Bebaut war sie nur bis kurz hinter dem großen Bamjanbaum, zur Sandbank gab es nur einen Weg durch dichtes Gestrüpp. Der Koch aus Berlin hatte nur 2,30 US$ pro Tag und Person zur Verfügung und alle hatten immer Hunger. Es gab ein Teller mit Cocosnuss vorweg pro Tisch damit das Essen reichte. Trotzdem, nie wieder war es auf den Malediven so schön. Jedes Getränk kostete 1 US $ - and we call it 1-$-Island.
"Fachpublikum" war da, keiner kam mit Tennisschläger, Gettoblaster oder Luftmatraze angereist. Kaum waren die Mahlzeiten beendet, waren alle wieder irgendwo am Riff beim Schnorchel. Da war aber auch was zu sehen! Barakudas, dick wie ein Baumstamm, hingen schräg vor dem Riff und ließen ihre 1,50 Meter Länge putzen, Mantas, Mobulas, jeder Menge Revierhaie gab es täglich zu bewundern.


Eriyadu
Eriyadu 1997. Da wurden noch Boote am Strand ausgebessert
Storry am Rande
Nach Eriyadu wollten wir nicht da die Insel ja kein Außenriff hat. Eine Reiseleiterin am Flughafen in Male teilte den verdatterten 4 Reisenden mit, dass es nicht wie gebucht nach Batala ging. DTM (Deutsche Tauchtour München) hatte dort die Rechnungen nicht bezahlt. Wir bekommen heute noch 2000 DM wieder.
DTM wurde von uns in "Der Totale Mist" umgetauft. Wir hatten noch Glück. Eine Woche später blieben die Reisenden am Flughafen Frankfurt stehen. Die größte Frechheit aber war, dass dieser Verein kaum ein halbes Jahr später unter gleichem Namen wieder die alten Kunden anschrieb. Nun war der Geschäftsführer eben die Frau (oder umgekehrt?).
Es ist nicht weit von Eriyadu nach Helengeli. Auf der Insel lebten noch 3 oder 4 Personen, der Hotelbetrieb war eingestellt. Alles sollte von Grund auf neu gestalltet werden. Es war wohl mit eine der ersten Urlaubsinseln und war dem Vernehmen nach meist von italienischen Veranstalltern belegt worden.
Die Insel und vielmehr noch das Riff und die Korallen jagten uns einen gewaltigen Schreck ein. Das erste, was am hellichten Tage uns entgegen kamen, waren - Ratten. Es gab fast keine Korallen mehr. Auf dem Weg hier her waren wird immer wieder an Faros ins Wasser gegangen, hatten die Pracht der Korallen bewundert und hier war fast alles tot.
Es kamen nur wenige Gründe infrage: Entnahme von Korallen und Abwasser. Na ja, man traut es sich kaum zu sagen: Italiener gingen nicht, wie wir auf anderen Inseln schon beobachtet hatten, gerade zimperlich mit der Unterwasserwelt um. Wenn sie sich gebessert haben, mögen sie das hier verzeihen...
Blick von der Insel Dhigufinolhu 1990
Die Inseln der endlosen Stege
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1989: Eriyadu
Die Insel hieß 1993 Ari Beach. Bei Ebbe konnte man die Einheimischeninsel im Norden zu Fuß erreichen.
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Ellaidhoo, Ostspitze, 1995
Eine damals absolut ideale Insel direkt am östlichen Außenriff des Ari-Atolls. Große Fische kamen aus dem so um die 300 Meter tiefen Wasser zwischen dem Ari- und dem Süd-Male-Atoll ans Riff. Grauhaie und der Große Gitarrenrochen, kaum aber Mantas.
Kuramathi