Vögel in Costa Rica 2
Ordnung Ruderfüßler, Familie Pelikane
Alles aus dem Leben der Braunen Pelikane in der Bucht von Jacó und der Mündung des Rio Tárcoles an Costa Ricas Pazifikküste. Mehr als 750 Pelikanbilder standen aus den Jahren 2002 - 2007 für diesen Bericht zur Verfügung.
Ein dicker, vollgefressener, alter und erfahrener Macho am späten Nachmittag auf dem besten Platz seinem Schlafbaum an der Mündung des Rio Tárcoles, fotografiert vom Boot des Crocodile Man aus. Ein absolutes Vogelparadies. Noch sitzen die Pelikane auf den Sandbänken. Dort sind sie aber nicht sicher vor den nachts jagenden Krokodilen. Die verschmähen so einen Pelikan durchaus nicht auch wenn er nur so um die 700 gr wiegt. So fliegen die Braunen Pelikane nach und nach auf ihre Bäume.
Schön, dass es diese Kolonien hier noch gibt. Die Plätze, wo solche Bäume stehen, wo es ungestörte Sandbänke und wo es Fische für diese großen angenehmen Vögel gibt, werden immer weniger - was für eine Scheißwelt in der wir leben!.
Junge Pelikane ebenfalls in der Mündung des Rio Tárcoles und in der Bucht von Jacó. Was mal ein richtig skurriler Vogel werden will...
...muss erstmal alles untersuchen und sich gegen die Konkurrenz durchsetzen auch wenn der Happen vielleicht doch zu groß ist.
Ein seltsames Paar. Der junge Pelikan weiß, der Fischkopf ist für ihn unverdaulich. Aber freiwillig hergeben? Der junge Truthahngeier weiß, den bekommt er ja doch. Aber der Andere ist ja doppelt so groß und der Schnabel sieht wirklich mächtig aus. Doch Geier können warten.
Beute machen
Pelikane haben Zeit. Sie sitzen in der Sonne, dösen, machen Federpflege und warten auf die Flut und auf die Fische, die diese mitbringt. Ihre Nahrung wird ihnen sozusagen vor die Füße gespült.
Ist´s "angerichtet", steigt man erst einmal so 8 - 10 m in die Luft und schaut mit scharfen Auge nach, was heute so auf dem Speiseplan steht.
Dann geht es im Sturzflug nach unten...
...pfeilschnell...
...dass es nur so spritzt.
Auftauchen...
..., den Fisch um himmelswillen in die richtige Richtung drehen und dann: Guten Appetit.
Wird der Fisch mit den Schwanz zuerst geschluckt, ist das ein Todesurteil. Der Fisch kann dann die Flossenstacheln abspreizen und nichts rutscht mehr durch den schlanken Hals.
Manchmal isst man aber auch gemeinsam. Wird ein Schwarm kleiner Fische von Raubfischen in die Küste getrieben, sparen sich die Pelikane die kräftezehrenden Flug- und Tauchmanöver. Man öffnet nur den Schnabel und er füllt sich von alleine. Vor 20 Jahren, als es noch viele Sardinenschwärme gab, war das oft der Fall.
Der Flug der Pelikane
Eigentlich sind Pelikane richtig flugfaule Vögel. Aktives fliegen mit Schlagen der langen Flügel, liegt ihnen nicht besonders. Der Körper ist recht groß. Trotzdem sind sie ständig in der Luft, denn sie sind schlau und haben von der Natur gelernt, jeden kleinen Lufthauch und jede Thermik auszunutzen.
Morgens, wenn die Temperatur über dem Wasser und dem Land annährend gleich ist, gibt es keine Thermik an der Küste. Was machen die Pelikane nun?
Sie nutzen die Thermik der Wellen aus und segeln auch so ohne einen einzigen Flügelschlag parallel die Küste entlang. Die Sonne geht gerade auf, es ist 6 Uhr.
So bis 9 Uhr kann man im Februar ohne zu schwitzen die Küste entlangschlendern. Dann wird es immer wärmer und eine Thermik baut sich über der Küstenlinie auf. Sie reicht noch nicht hoch, wird aber von den bewegungslos dahingleitenden Großvögeln sofort genutzt. Warum fliegen die einen Kurs N und die anderen Kurs S?
Gegen Mittag reichen die Aufwinde so hoch, dass auch moderne Flugzeuge in vielen Tausend Metern Höhe beim Überfliegen der Küstenlinie gehörig wackeln würden.
An manchen Tagen ist der Himmel nun voll von in V-Form dahingleitenden Pelikanschwärmen. Wo fliegen sie nur alle hin? Die einen fliegen nach Süden, die anderen sind auf Nordkurs.
Die einzigen aktiven Flügelschläge sind über Tag also beim Fischen und dann gegen Abend, wenn die Sonne Punkt 18 Uhr untergeht und jede Thermik einschläft, beim Kampf um den besten Ast im Schlafbaum.
Herrliche, exotische Vögel, die eine wunderbare Ruhe ausstrahlen, die gelassen sind und Würde haben. Sie sind bedroht. Der Bestand in ihren Verbreitungsgebiet entlang der Pazifikküste von Washington bis Peru und auf der Atlantikseite von North Carolina bis Venezuela geht drastisch zurück.
Bleibt nicht mehr viel Zeit für den Verfasser, die rätselhaften Hin- und Herflüge zu ergründen. Wohl selber Pelikan gewesen, oder?
Kormorane, Anhinga
Systematik