Bangladesh

Eine unwahrscheinliches Land!
Bangladesh - Die Lebensadern des Landes sind die mächtigen Flüsse - wenn es nicht irgendwo regnet...
Lastensegler auf dem Jamuna River, dem Brahmaputra
Drei Ströme und das Delta bestimmen das Leben in Bangladesh. Die Hälfte des Landes (140.000qkm) ist überschwemmungsgefährdet. Es liegt nur 8m über dem ansteigenden Meeresspiegel. Da die Grenzen 1948 beim Abzug der Engländer künstlich gezogen wurden, besteht das Land nur aus Wasser und Ebenen. Es gibt mit Ausnahme der "Tea Garden" keine wesentlichen Berge oder Hügel, keine Steine: Das gesamte Land besteht nur aus Schlamm, Wasser und weicher Erde.

Der Brahmaputra kommt aus Osten rechts oben im Bild. Dort, wo er sich nach Süden wendet, heißt er Jamuna.
Der Ganges fließt aus Nordwest in Land. Ab Bildmitte, wo er den Jamuna aufnimmt, hat das Flussystem den Namen Padma.
Der Meghna bringt sein Wasser in den Padma ein, wo dieser richtig breit wird und sich nach Süden wendet, in den Golf von Bengalen und den Indischen Ozean.
Unzählige Nebenarme und kleinere Flüsse durchziehen das Land in dem es fast keine Brücken gibt und man auf Fähren angewiesen ist.
Der Brahmaputra (in Bangladesch: Jamuna)
Der größte Fluss ist mit 2880km Länge der Brahmaputra. Nur das er hier nicht so heißt wie ihn die ganze Welt kennt. Er wurde in Padma umbenannt. Schließlich bedeutet Brahmaputra "Sohn des Brahmas" und Brahma ist einer der 3 Hauptgötter im Hindusismus, der Gott der Schöpfung (Vishnu - Bewahrung und Shiva - Zerstörung). Wo soll man denn im Islam so viel Toleranz hernehmen...
Der Brahmaputra entspringt in den Gletschern Tibets als Ya-Lu-Tssang-Pu. In Assam bekommt er dann den bekannten Namen. In Bangladesh heißt der Fluss bis zur Vereinigung mit dem Ganges: Jamuna. Der vereinigte Flusslauf wird Padma genannt, der nach 105 km bei Chandpur auf den Meghna trifft.
Der Brahmaputra ist die Hauptverkehrsader des Landes und voller Leben. Der Ganges dagegen ist fast frei von jedem Schiffsverkehr. Indien hat das mit den Farakkastaudamm 18km vor der Grenze unterbunden.
Lastensegler
Nix von Steuerbord- oder Backbordbeleuchtung, kein Gramm Strom an Bord! So etwas Ärmliches, so ein klägliches Leben wie es die Fluss- oder Floßschiffer hier führen, ist selten auf der Welt. Und die werden noch von Banditen überfallen und von korrupten Offiziellen ausgenommen! Die Hauptarbeit an Bord ist pumpen, die Rümpfe sehen so aus wie die Segel: löchrig. Das Boot auf den 4 Bildern fährt mit der Strömung und mit Wind von achtern. So ein Glück haben sie nicht immer. Aufwärts werden sie staken müssen, mit Bambusstangen und Muskelkraft den großen Kahn Kilometer um Kilometer gegen die Strömung im flachen Flussbett drücken....
Ufer
Mindestens 3 Dinge sind hier bemerkenswert: das sandige Ufer des Brahmaputras ohne jeden Stein, der Reisanbau im Schwemmland und die Senknetztfischerei.
Das Ufer ist ca. 3 m hoch, purer Schwemmsand aus dem Himalaja und der Reisbauer könnte 3 Ernten einfahren - wenn es nicht irgend wo am 3.000km langen Flusslauf oder hier regnen würde. Das Wasser steigt oft ohne Vorwarnung schnell an und wenn er Glück hat, kann er einen Teil einer Ernte einbringen. Manchmal geht es ja gut.
Fisch essen soll ja gesund sein. Hier auch? Das Wasser ist ziemlich verseucht und man sollte nicht einmal seine Hand hineinhalten.
Die Technik, die der Fischer da anwendet, ist ausgefeilt und bestimmt über Jahrhunderte erprobt. Die Fische, die hier gefangen werden, sind bestimmt grätenreiche Weißfische.
Von Bord der großen Fähren, mit denen man lange fahren muss um ans andere Ufer zu kommen, sind häufig kleine Schweinswale zu sehen.
Hartes Leben
Buntes Leben - genau so hart
Flussfähren und die lebendigen Fähranleger am Brahmaputra - Jamuna River
Fähren
Wer ist nicht angezogen von Bahnhöfen, Flughäfen oder Häfen. Die Leute sind anders. Sie sind Reisende, müssen warten, haben Zeit oder sind in Eile.
Selbst an den Fähranlegern am Jamuna ist es zu spüren.
Die Besatzung hat Waschtag auf der oft stundenlangen Fahrt.
Sogar Frauen sind auf der Fähre und die Mädchen spielen auf der Ladung eines Lastwagens.
Die Starkstromleitung ist das einzige Bauwerk, das den Fluss überquert.
Das die Fundamente der Masten bewohnt sind, verwundert nach den Fahrten durch das Land kaum noch.
Aber wie wohnen die da, wo ist das Boot, wie kochen sie, trinken sie das Flußwasser? Verrücktes Land!
In den Säcken muss etwas schweres sein - sonst würden Frauen die Arbeit verrichten
Oft wochenlang haust die Besatzung auf den Bambusflößen
Der Meghna kommt von den südlichen Hängen der Naga-Manipur-Wasserscheide. Dort heißt er Barak. In Bangladesh gabelt sich der Barak in die Flüsse Surma und Kushiyara. Mehrere Nebenarme vereinen sich beide Flüsse wieder bei Sunamganj und gewinnen an Breite. Der gemeinsame Flusslauf heißt Kalni bis zum Zusammenschluss mit dem Ghorautra-Fluß. Ab hier heißt der Fluss Meghna. Bei Chandpur fließt der Padma (Ganges-Brahmaputra) in den Meghna, der dann als unterer Meghna in den Golf von Bengalen mündet. Der Barak-Meghna ist insgesamt 800 km lang, 420 Flußkilometer davon in Bangladesh.
Was sagen Sie? Ob in China ein Sack Reis umfällt? Na ja,
Ansichtssache...
Bis ca. 1950 ging alles noch relativ gut. Es gab Wälder, die Küste war mit Mangroven bestanden, die Flüsse waren tief und die Bevölkerung nicht mal ein Viertel so groß. Schneeschmelze im Himalaja und Monunregen von Juni bis Oktober sind ja keine Erfindung der Neuzeit. Das Wasser dieses Teiles von Asien musste seit Äonen von Jahren hier durch.
1950 schüttelte ein furchtbares Erdbeben das Land so durch, dass die Flüsse versandeten. Die Ufer brachen ein, die Flüsse waren nicht mehr tief genug, die Fließgeschwindigkeit sank. An Sedimenten bringen sie ohne hin ca. 2 Milliarden Tonnen jährlich aus den Bergen mit.
...und von nun an ging es bergab.... (Hildegard Knef).
Die Wälder sind verschwunden, Mangroven werden immer noch abgeholzt und nicht nur in der Karibik nimmt die Zahl der Wirbelstürme wie im Jahr 2005 zu. Drückt ein Cyclon im Südwestmonsun gegen das Delta, steigt der Meeresspiegel bis zu 60cm an und staut die Flüsse zusätzlich auf.
Freundlicher Weise hat Indien nur 18 km vor der Grenze zu Bangladesh den Farakka-Staudamm am Ganges gebaut. Indien kann nun den Wasserpegel auf seiner Seite besser regulieren. Während der Monsunzeit, wenn Bangladesh alles gebrauchen kann, nur kein Wasser, bekommt es welches, aber in der restlichen Zeit reicht es auf dem Ganges nicht einmal für die Schiffahrt.
Bangladesh ist das ärmste - und gerade wieder festgestellt - das korrupteste Land der Welt. 92% des Flußdeltas liegen auf seinem Gebiet. Nichts ist in den Griff zu bekommen, nicht durch eigene Kraft noch durch irgend eine der nicht weniger korrupten Weltorganisationen.
Die Bevölkerung wächst trotz aller Family-Planning-Progamme weiter, die Mangroven werden immer noch abgeholzt und jede Überschwemmung verseucht durch die total verdreckten Flüsse weiterhin die Trinkwasserreserven. Was nutzen da halbherzige Aufforstungsprogramme oder künstliche Entwässerungskanäle zum Golf?
Na ja, in Dhaka kann man hervorragende Tiger Prawns essen und mit Kreditkarte bezahlen und die Nacht in einer der beiden großen Hotels kostet kaum mehr als 375 US$....
Der Junge hier mit seinen Cicklets verdient ja auch mindestens 35 US$ - im Jahr!
Fast unbemerkt von uns in Europa spielt sich in Bangladesh und im ostindischen Westbengalen eine riesige, weltweit nie dargewesene Massenvergiftung von 35 Millionen Menschen ab. Das Trinkwasser ist mit Arsen verseucht.
Traditionell wurde das Trinkwasser dem Oberflächenwasser entnommen. Das ging so lange gut, wie sich das Bevölkerungswachstum in Grenzen hielt. Aber dann verdoppelte, verfünffachte, verzehnfachte sich die Bevölkerung in kurzer Zeit. Eine Wachstumsrate von 3,3% bringt eine Verdopplung in nur 30 Jahren (Beispiel Indien: 1970 - 0,5 und 2004 - 1 Milliarde Einwohner). Die Oberflächengwässer wurden alleine durch Fäkalien verseucht, schwerste Erkrankungen ließen die UNICEF handeln.
Ab der Unabhängigkeit 1971 wurden 10 Mio. US$ Röhrenbrunnen gebaut und als Fortschritt empfunden. Die Erkrankungen nahmen auch folgerichtig ab. Bis 1981 indische Ärzte feststellten, dass immer mehr Arsenvergiftungen auftraten. Beim Bau der Brunnen wurde von allen Beteiligten vergessen, das Wasser aus dem dicht unter der Oberfläche liegenden Grundwasserschichten auf Arsen zu untersuchen.
Gutachten mussten her und hier beginnt wieder die übliche Schweinerei. Wer Gutachten bezahlt bestimmt das Ergebnis! Das "British Overseas Department" beauftragte und finanzierte das "British Geological Survey" festzustellen, wo das Arsen im Grundwasser herkommt.
Toll! So viel Geld! Da darf doch das Ergebnis keinem wehtun! Die Arsen-Konzentrationen im Grundwasser liegt bei 800 µg/L. Die WHO meint, 10 µg/L seinen noch unbedenklich, die Regierung von Bangladesh lässt 50 µg/L zu. Und nun das Ergebnis: Die Quellen von Arsen ist zweifelsohne geologischen Ursprungs und keiner sonst hat Schuld! Die Welt war wieder i. O., jedenfalls für die, die nicht an Arsen erkrankt waren.
Das Dumme an dem wissenschaftlichen Gutachten ist nur, dass es so etwas sonst auf der ganzen Erde nicht noch einmal gibt.
Viele jahrzehntelang ist chemischer Dünger in das britische Interessengebiet Indien und Bangladesh geliefert worden, natürlich auch Pestizide, Fungizide und Herbizide. Hier wurde und wird richtig großes Geld verdient. Je mehr Chemie ausgebracht wurde, desto besser ging es den Herren Vertretern der Konzerne aus den westlichen Industriestaaten. Sie sitzen immer noch in Dhaka und haben dicke Budgets für die netten, fast unbestechlichen Regierungsmitglieder.
Allerdings reicht das von der Chemieindustrie verdiente Geld nicht für eines der wenigen echten Gutachten. Wer sägt sich schon seinen eigenen Ast ab und was sind hier schon 35 Millionen Menschenleben?
Saloon ten/ten
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