Von Kabul aus in Richtung Osten - unzählige Fahrten durch die Tangi Garu, zum Baden in Winter im Kaubulriver, weiter über den Khyber nach Peshawar, Pakistan, Indien...
Von Kabul aus über die trockene, staubige Ebene in Richtung Osten versperren nach 20 km Berge den Weg. In den Sechziger Jahren projektierten und bauten Österreicher hier eine kühne, kurvenreiche Strasse mit vielen Tunneln entlang des Kabulflusses hinunter in ein wild zerklüftetes Tal. Der Höhenunterschied ist für Afghanistan nicht gewaltig. Es sind nur so um die 1000 Meter. Und doch: es ist eine der schönsten Gebirgsstraßen der Welt; jedenfalls für den Autor.
Dieses für hiesige Verhältnis kaum bemerkenswerte Bergmassiv liegt an der südlichen Seite der Hochebene auf der Kabul liegt, kurz vor der Schlucht Tangi Garu. Die Aufnahme entstand im Winter auf der Rückfahrt vom Baden im Kabulfluss ca. 100 km östlich. Die Sonne geht gerade unter und hier oben ist es kalt. Die Freunde waren an diesem Tag 30 km weiter östlich an der Straße nach Kandahar - zum Skilaufen
Durch die Schlucht der Tangi Garu führt die einzige richtige Straße auf der man Kabul in Richtung Osten verlassen oder erreichen kann. Eine wichtige Verbindung Richtung Pakistan. Über diese Straße kommen alle Güter, die per Schiff nach Karachi kommen und für Kabul bestimmt sind. Dann wird die Fracht auf die Bahn verladen und 2000 km nach Norden bis Peshawar gebracht. Von dort geht es die letzten 300 km per LKW über den Khyberpass und durch die Tangi Garu nach Kabul - jedenfalls in Friedenszeiten.
Durch die Schlucht windet sich der Kabulfluss. Zwischen Peshawar und Rawalpindi fließ er dann in den Indus. Das Wasser, das er hier führt, kommt aber nicht aus der Stadt. Da ist er meist ausgetrocknet.
Die Bilder sind von Joseph, einem Kollegen von Peter der bis Januar 2007 in Kabul war. Sie sind vom Dezember 2003. Sie zeigen die Straße in ziemlich schlechten Zustand. Sie soll aber 2007 eine neue Teerdecke bekommen haben.
Interessant die gemauerte Tafel. Demnach ist es verboten, Mörsergranaten, Minen, Handgranaten usw. nach Kabul reinzubringen: Wer hätte das gedacht!
Ist schon ein abenteuerlicher Verlauf den die Straße in der Schlucht an vielen Stellen nimmt.
Nach einigen Kilometer hat der Kabul schon soviel Wasser angesammelt, dass die Deutschen hier zusammen mit dem Straßenbau eine kleines Wasserkraftwerk hingebaut haben: Mahipa.
Hätten sie es man gelassen. Es war eine grandiose Fehlplanung, wurde damals gemunkelt. Der Fluss führt zuviel Sand mit und der zerschlägt immer wieder die Turbinenschaufeln. Für ein großes Wasserbecken, in dem sich der Sand absetzen kann, ist kein Platz in der Schlucht. Da hatte Siemens ein ziemliches Problem.
Dann öffnet sich das Tal. Wie lange wird der Fluss wohl gebraucht haben, diese Geröllmassen abzulagern? Das Wasser ist kristallklar und trinkbar, jedenfalls für die Nomadenfrauen. Das kräftige Rot der Kleidung ist weithin zu sehen.
Das soll es auch, signalisiert es doch: Ich bin unverheiratet.
Die Straße führte jetzt auf den Sairobistausee zu und an der letzten Biegung oberhalb des Sees...
... gab es den schönsten Ausblick in ganz Afghanistan: Der Blick über zerklüftetes Bergland mit Blick auf das Suleimangebirge im Hintergrund. Das Bild ist im Frühjahr gemacht. Der grüne Schimmer hält nur wenige Wochen an.
Dort in den Bergen, an der pakistanischen Grenze, hätten die Amis beinahe Osama bin Laden in Bora Thora erwischt.
Wenige Tage später hat die Sonne die Landschaft schon wieder verdörren lassen. Nur noch die Felder, die bewässert werden, sind in der absolut baumlosen Landschaft grün.
Auf der Landzunge links der Mitte des Bildes liegt der kleine Ort Sairobi. Von Kabul aus bis hier her sind es 80 km. Es war kein Ort, wo man freiwillig anhielt. Doch die Landschaft ist atemberaubend schön. Das Bild ist im Spätsommer gemacht. Der See hat kaum Wasser.
Die folgenden 5 Bilder sind alle von der Mitte des südlichen Seeufers aus aufgenommen worden.
Auf diesen beiden Bilder geht der Blick nach Nordosten. Es ist fast der gleiche Standpunkt. Das obere Bild entstand im Frühling, das untere im Sommer.
Hier geht der Blick von der Mitte des Südufers des Sairobistausees direkt nach Norden.
Am gegenüberliegenden Ufer die "Tote Stadt". Nicht einmal unsere Afghanen konnten uns sagen, wie lange die Stadt schon verlassen war.
Drei Bergketten hinter einander, jede hat eine andere Farbe. Man hat gemunkelt, dass der rote Berg aus puren Eisenerz von ungeheuerer Konzentration ist, mit höherem Gehalt an Eisen als in Schweden.
Da es aber keinerlei Infrastruktur, keinen Meter Eisenbahn, keinen Hafen (außer Karachi in 2000km Entfernung und in einem anderen Land) gibt: Wie soll man da Erz abbauen? Zum selber verhütten fehlt auch noch die Energie, so wird es wohl noch lange dauern bis sich der Abbau mal lohnt.
Blickrichtung Nordwest. Am linken Bildrand windet sich die Straße in Richtung Tangi Garu, zurück nach Kabul.
Die Aufnahme vom Panzer ist von wieder von 2003. Die Russen haben ihn stehen gelassen, bestimmt nicht freiwillig. Es muss ungefähr die Stelle sein, wo der Saluki steht.
Unverheiratet, aber bestimmt schon versprochen. Ein Onkel wird sich, wenn das Mädchen so 10-12 Jahre alt ist, mit der Familie schon über den Brautpreis einig geworden sein. Spätestens mit 15 oder 16 wird sie einen Mann haben, den sie nie vorher gesehen hat und der so viele Kinder wie möglich bekommen will. Der Autor war mal Zeuge eines solchen Brautkaufes.
Einmal, auf der Rückfahrt nach Kabul, rasteten Normaden am östlichen Ufer des Sairobisees. Die Sonne stand schon schief und warf lange Schatten.
Da erwachte das Leben zwischen den Zelten. Die Kutschis bereiteten sich darauf vor, ihre Zelte abzubrechen. Wegen der großen Hitze wandern sie nachts. Jetzt im Herbst kamen sie aus dem Norden und zogen über die Berge quer durch das Land in Richtung des Persischen Golf. Dort ist es im Winter schön warm und es wächst Futter für ihre Tiere. Kutschis brauchen keine Straßen.
Kaum vorstellbar, dass es heute noch Normaden gibt. Der Krieg seit 1979 hat ihre Wanderungen unmöglich gemacht. Schade.
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