Stand: 12.05.2007
Im Winter 1984/85 hatten die Russen Kabul - aber nur Kabul - fest im Griff. Nichts war in der Stadt zerstört, den bösen Begriff "Taliban" gab es wohl noch nicht oder war uns nicht bekannt. Ausländer konnten sich nur um Umkreis von 13 km um das Stadtzentrum bewegen, denn draußen kämpften die Mudschaheddin ihren erbitterten gegen die ungeliebten Okkupanten.
Da war jede Abwechslung recht. Wie immer fanden am Freitagvormittag im Winter auf dem Gelände unterhalb des Interconti Hundekämpfe statt. Viel später haben die Taliban das natürlich verboten.
Unterhalb des Hotel Interconti und vor der Bergkette des Hindukuschs fanden am Djummah (Freitag, dem hiesigen Sonntag) die Hundekämpfe statt. oft floß reichlich Blut bevor einer der Rüden aufgab und bei dem Besitzer schon mal eine Träne runterlief. Alle Bilder sind im Dezember 1984 aufgenommen.
| Info: Hundekampf
Schon immer gab es in Afghanistan Hundekampf. Nie war so etwas aus Iran oder Pakistan zu hören. Verblüffend eigentlich, wo Hunde lt. Koran doch so unrein sein sollen. In jedem Dorf traf man diese riesigen Tiere mit den kopierten Ohren und Ruten - nötig, um Verletzungen beim Kampf zu vermeiden - an. Im Sommer und im Winter waren sie draußen. Sie sollten ja dicke Felle bekommen. Oft waren sie an Pfählen in der Dorfmitte angebunden, manchmal liefen sie auch frei herum und es war gut, wenn man sie sah - bevor man aus dem Auto stieg. Mancher Afghane fütterte die schweren Tiere besser als seine Familie - sagte man - , mancher verwette auch alles, obwohl Wetten nicht so richtig erlaubt war. |
| Story
Mißtrauen schlug einem entgegen. Ein Tourist konnte der ja kaum sein, Mitten im Krieg, 1984, und mit den Besatzern wollte man nichts zu tun haben. Doch halt, mit dem stimmt ja was nicht! Der trägt ja ein Bart und der schwedische Schneeannorak sieht sehr westlich aus. Kein russischer Soldat hat ein Bart! Auch nicht solche Klamotten. Dar Almani hastam? Nix Kommunist? Das Eis war dann meist gebrochen, hier beim Hundekampf oder irgendwo im Bazzar. Ob man seinen Hund mal anfassen kann? Bloß nicht: Wenn der Hund das zulässt, ist er ja kein Kampfhund und der Besitzer bis auf die Knochen vor den anderen blamiert! |
Bescheiden sind die Ansprüche der total verarmten Bevölkerung. Die gekochten Rüben sind bestimmt nicht teuer aber nicht einmal die paar Paisas konnten die Männer locker machen, 1985 unter russischer Besetzung. Schlimm, dass es unter der unsäglichen Talibanknechtschaft nur schlimmer werden sollt.
Ein altes Kampfspiel war früher im Herbst vor den Toren der Stadt zu erleben: Drachenkampf. Es muss einen chinesichen Ursprung gehabt haben. Die mehr oder weniger kunstvoll gebauten Drachen aus Papier und Holzleisten hingen an langen Papierschnüren, die erst durch Leim und dann durch feine Glassplitter gezogen worden waren.
Ziel war es nun, den anderen Drachen die Schnur abzusägen. Die so steuerlos abstürzenden Drachen wurden johlend gejagt und zerfetzt - ein Aberglaube im Islam? Natürlich von den Taliban später verboten!
Drachenkampf vor der Stadt an der Strasse nach Kandahar. Natürlich nur ein Sport für die Männer.
Hier rennt die Meute hinter einen abgestürzten Drachen her (Bildmitte) und zerfetzt ihn - warum auch immer. Beide Bilder stammen vom Herbst 1971. Eine herrliche Abwechslung für junge und ziemlich alte Afghanen. Reich waren sie ja nie und mussten sich ja die Materialien für die Drachen zusammen suchen, zumindest die Schnüre kaufen. Eigentlich ist es nicht zu verstehen, warum die abstürzenden Drachen vernichtet wurden. Doch Aberglaube?
Saluki: Der Windhund
Buzkashi
